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Kommunalwahlen in Zagreb

Am 21. Mai 2017 finden in Kroatiens Hauptstadt Zagreb Kommunalwahlen statt. Eine progressive Grün-Links-Plattform namens „Zagreb gehört UNS!“ bietet die Möglichkeit, den populistischen Milan Bandic, einen berüchtigten ehemaligen Sozialdemokraten, der für seine Beteiligung an großen Korruptionsskandalen bekannt ist, und die Stadt seit 16 Jahren regiert, abzuwählen. Durch den Aufstieg des Nationalismus, des Populismus und des historischen Revisionismus in der kroatischen Gesellschaft werden diese Kommunalwahlen einen großen Einfluss auf die nationale Politik und den Alltag im Land haben.
DiEM25 hat festgestellt, dass das politische Programm von Zagreb is OURS (Zagreb gehört UNS) im Einklang steht mit unserem Manifest und dem Europäischen New Deal.
Das Programm befürwortet die Rückkehr der Entscheidungsbefugnis zu den BürgerInnen und schafft Modelle, in denen die Bürger gemeinsam entscheiden, wie die Stadt regiert und entwickelt werden soll.
DiEM25 ist eine europaweite Bewegung, in der ihre Mitglieder gemeinsam Entscheidungen treffen. Also alle Mitglieder aller Nationalitäten – das heißt auch Du! – können entscheiden, was unsere Position für diese eminent wichtige Wahl sein sollte. Sollen wir „Zagreb gehört UNS!“ unterstützen, oder nicht?
Die Schaffung neuer „Rebel Cities“ ist ein wichtiger Kampf, der alle fortschrittlichen Menschen und Organisationen in Europa betrifft – also bitte abstimmen.
Erik Edman
Stellvertretender freiwilliger Koordinator (DiEM25)

Europa in der Krise

Europa wird von Zweifeln gequält; es geht ihm schlecht. Es hat einen Ruck nötig. Insofern ist die derzeitige Krise heilsam. Sie ruft den Europäern in Erinnerung, dass sie ihre gemeinsame Existenz neu denken müssen. Die Tatsache, dass diese Frage sich ihnen als Europäer stellt, ist für sich allein schon bemerkenswert. Das bedeutet, dass es nunmehr das Gefühl eines geteilten Schicksals und einer kollektiven Verantwortung gibt. Noch hundert Jahre zuvor war nichts weniger evident. (…) Man sagt noch immer gerne, dass Europa aus der Verschmelzung dreier großer unterschiedlicher Traditionen hervorgegangen sei: Athen, Rom und Jerusalem. Sie hätten sich auf wundersame Weise verbunden, verschmolzen und ergänzt, um diese neue und beispiellose Gestalt hervorzubringen: die europäische Kultur. Der Erfolg ist unbestreitbar. (…) Es gilt jedoch festzuhalten, dass diese Sicht auf die Spezifität Europas eine merkwürdige Art von blindem Fleck aufweist. Europa ist nicht im Dreieck Athen-Rom-Jerusalem entstanden, sondern vor allem in einem geographischen Gebiet, das Gallien, die iberische Halbinsel, die britischen Inseln, die germanische und die skandinavische Welt sowie den Osten Europas einschließlich der slawischen Welt umfasst. Nun waren diese Regionen aber Teil dessen, was die Griechen wie die Römer als „Barbaren-Gebiet“ bezeichneten. (…) Das postimperiale Europa hat sich ideologisch betrachtet unter Zurückweisung der Kulturen der Barbaren herausgebildet (…) Der Vorgang, dem die „Barbaren“ ausgesetzt waren, nämlich des eigenen Gedächtnisses beraubt zu werden oder zumindest dessen Legitimität in Frage gestellt zu sehen, ist eine Tatsache, deren Langzeitwirkungen noch nicht genügend ermessen wurden. All dies hat tiefe Wunden geschlagen, und der Prozess der Vernarbung ist vielleicht immer noch nicht abgeschlossen.
Marcel Hénaff, französischer Philosoph und Ethnologe